Traumhafte Zeitreise

 

Vom 16. bis 18. April fand mit der Hockenheim Historic der erste Großevent des historischen Rennjahres statt. Mit beeindruckenden Starterfeldern, packender Action und optimaler Witterung überzeugte die Veranstaltung die rund 25.000 Besucher.

Der Hockenheimring, der Badische Motorsportclub und Rennleiter Heinz Weber konnten somit auf gelungene Tage im Motodrom zurueckblicken und zeigten bei der Durchführung keine Schwaechen.

 

Kampf der Zwerge

 

Bei einem der vielen Hoehepunkte setzten sich die Kleinsten groß in Szene. 50 Teilnehmer nahmen die beiden Gleichmaessigkeitslaeufe unter die Raeder.

In der Abarth Coppa Mille feierte Juergen Schuergers mit seinem Fiat Abarth 1000 OT den Sieg in der ersten GLP. Hinter ihm platzierten sich Walter Leuber im Steyr Puch, Leo Aumueller (Abarth 1000 Bialbero) und Reinhold Koester mit dem Fiat Abarth 1000 TCR. Fuenfter wurde Rolf Sigel (Steyr Puch) gefolgt von Klaus Stoermer, Ad van Ling und Andre van Koeveringe. Die TopTen machten Bram Paardenkooper und Ruud Bom (alle Fiat Abarth 1000 TC) komplett.

Am Sonntag setzte sich dann Koester gegen Schuergers und Jan Schouten (1000 TC) durch. Die naechsten Raenge sicherten sich Bom, Joop Schouten im 1000 TC, van Ling und van Koeveringe. Hinter Paardenkooper lief Roberto Ragusa im traumhaften 1000 TCR auf Platz neun ein und Ralf Krieg fuhr den 1000 TC auf die zehnte Stelle.

Neben den Italienern sorgten auch die Briten fuer gute Laune. Sieger der British Car Trophy wurde samstags Dieter Franke. Der Austin Healey Sprite-Pilot lag vor den Mini Cooper von Hans Mueller-Deck, Sebastian Wallner und Joerg Franz. Gerald Dale, Eleonore Franz und Ken Welch reihten sich mit ihren Mini dahinter ein. Den zweiten Durchgang konnte Mueller-Deck fuer sich entscheiden. Dale und Welch machten das Podium komplett und auf den naechsten Raengen landeten die Mini-Fahrer Alberto Pinna und Gemma Morris.

Aus der NSU TT Trophy ging im ersten Durchgang Torsten Weth als Sieger hervor. Rainer Oesterbeck, Patrick Hug und Joachim Wenz folgten danach, wogegen Roland Mueller vorzeitig ausschied. Gleiches widerfuhr ihm auch in Lauf zwei, den Hug gewann. Dahinter liefen Weth, Oesterbeck und Wenz ein.

 

Interserie + Austria Formel Cup

 

Im vierzigsten Jahr ihres Bestehens traegt die Interserie wie in den letzten Saisons die Rennen gemeinsam mit der Oesterreichischen Meisterschaft aus.

In deren Formel 3-Klasse setzte sich Luis Da Silva im „Dallara-Pokal“ mit seinem 307-VW gegen Philippe Chuard (302-Opel) und Francesco Lopez im 304-Opel durch. Rang vier holte sich Sandro Zeller (307-Mercedes) vor Marcel Tobler im 300-Opel. Heat zwei ging an Chuard, der Zeller, Lopez und Florian Schnitzenbaumer (304-Opel) auf Distanz hielt. Ermoeglicht wurde sein Erfolg durch einen Fehler Da Silvas, der im Reifenstapel der Sachskurve endete.

Bei den Formel Renault war Johann Ledermeier nicht zu schlagen. In beiden Laeufen gewann er vor Antonino Pellegrino und Oskari Kurki-Suonio.

Die Pace an der Spitze der Interserie machte am Samstagvormittag Arnold Wagner. Im Arrows A22-Asiatech ließ der fruehere Bergmeister dem uebrigen Feld keine Chance. In der großen Klasse holte Peter Randlshofer mit seinem Dallara-Nissan aus der Worldseries Rang zwei und gewann nach Wagners Startverzicht Lauf zwei.

Die Zweiliterklasse holte sich Thomas Conrad. Seine Tatuus Formel Renault-Kollegen Michael Plassing und Hartmut Bertsch trafen ihn beide Male auf dem Podium.

Die Geschichte der Interserie wurde wiederum mit einem Revival gewuerdigt. Dabei gingen zahlreiche Sportwagen aus der Hochzeit der Serie auf Demorunden und begeisterten das Publikum.

 

Supersports Cup

 

Auch die Fahrer der Supersports beteiligten sich an der Revivalparade fuer die Interserie, bevor sie ihre Rennen in Angriff nahmen.

Dabei kam es schon bald zu einem folgeschweren Unfall. Peter Hoffmann geriet bei einer Attacke auf die Spitze am Eingang des Motodroms neben die Strecke und konnte den Mc Laren M8F nicht mehr halten. Heftig schlug er in die Begrenzungsmauer ein, konnte dem stark beschaedigten Wagen zum Glueck aber unverletzt entsteigen.

Matteo Maria Tullio hatte somit nur noch den Lola T222 von Timo Scheibner im Nacken. Im March 707 mußte er die Spitze nach einigen Runden abgeben. Am Ende naeherte er sich dem Frankfurter nochmals, aber Scheibner siegte ebenso wie im Sonntagsrennen, wo er sich um zehn Sekunden von Tullio absetzen konnte. Hinter dem CanAm belegte der amtierende Champion Michele Liguori im Dreiliter Lola T292 den letzten Podestrang in der großen Klasse.

Alexander Lienau wurde im Mc Laren M6B Sieger der Klasse B und Kent Abrahamsson setzte sich bei den Zweiliterwagen ohne aerodynamische Hilfsmittel durch. Sein Chevron B19-Kollege Vincent Rivet folgte ihm jeweils und fuer Andrew Schryver (Chevron B21/23) sowie Daren Mk3-Pilot Beat Eggimann sprang jeweils ein dritter Platz heraus.

In der Klasse bis 2000 ccm mit Fluegeln siegte Silvio Kalb im March 76S deutlich vor Markenkollege Doug Hart (75S), mußte im zweiten Lauf in Fuehrung liegend allerdings aufgeben, was Hart den Erfolg brachte.

 

Historic Formula 2

 

Die Hockenheim Historic erinnert in besonderem Maße an Jim Clark, heisst im naechsten Jahr wieder Jim Clark Revival und hat traditionell die Formel 2 im Programm.

Philip Harper diktierte im ersten Heat den Rennbeginn bis sein Ralt RT1 ausrollte. Matthew Watts uebernahm fortan das Zepter und gewann mit seinem March 772 beide Rennlaeufe souveraen. Die zweiten Plaetze erreichte Peter Meyrick (March 782), wobei er im ersten Durchgang den Chevron B42 mit Robert Shaw und sonntags Ralt RT1-Pilot Hans Peter auf Rang drei verwieß.

Schnellster 1600er Vertreter war im ersten Rennen Walter Nef, das er gut vier Sekunden vor Alain Lagache beendete. Am Sonntag gewann der Dritte des ersten Laufes Katsu Kubota (alle March 712) vor Nef und Chris Lillingston-Price im Tecno T70.

Die Formel Atlantik holte sich samstags Daryl Taylor (March 78B) und tags darauf Roland Wiltschegg auf Chevron B39.

 

Historic Formula One

 

Die Fia-Serie startete mit 15 Wagen in das 25minuetige Rennen.

Bobby Verdon-Roe, der als amtierender Meister in die Klasse der F1 mit Groundeffekt gewechselt ist, zeigte auch dort sein Koennen und siegte im Mc Laren MP4. Joaquin Folch war um eine halbe Sekunde vor Katsu Kubota (Williams FW07) im Ziel, was dem Brabham BT49-Piloten den zweiten Rang einbrachte. Vierter wurde Richard Eyre im Williams FW06 vor dem Arrows A4 mit Steve Hartley.

Bei den Wagen ohne Groundeffekt war Abba Kogan mit seinem Williams FW06 als Erster im Ziel. Ihm folgten Peter Wuensch (Wolf WR1) und Luciano Quaggia im Theodore TR1.

Nur einen Starter bot die Klasse bis 1971. John Delane gewann somit bei den Oldies im Tyrrell 002 und Terry Sayles (Osella FA1) ging es bei den Flachboden-F1 ebenso.

 

BOSS GP

 

Die Big Open Single Seater boten die leistungsstaerksten Monoposti.

In der Open Class dominierte Klaas Zwart beide Rennlaeufe. Im Benetton B197-F1 hielt er am Samstag Arnold Wagner (Arrows A22-F1), Henk de Boer mit dem Panoz DP01-Champcar und Michael Woodcocks Arrows A21-F1 hinter sich. Nach Heat zwei gesellten sich de Boer und Abba Kogan im Tyrrell 023 auf dem Treppchen zum Sieger.

Die Masters Class sah an beiden Tagen Ingo Gerstl vor Carlos Tavares, beide im Dallara aus der Renault Worlseries, in Front. Im Reynard 91D-F3000 belegte Henry Buettner vor Peter Randlshofer (Dallara Worldseries) Rang drei und Letzterer stieg am Sonntag auf das Podium, wovon er Alain de Blandre mit dem Lola T89/00-Indycar fernhielt.

 

Lurani Trophy

 

In der Fia-Meisterschaft fuer Formel Junior wurde wie gewohnt jede Menge Spannung in den gemeinsam gewerteten Rennen geboten.

An der Spitze lagen die ersten vier Piloten der Klasse mit Scheibenbremsen dicht beisammen und zeigten viel Einsatz und Fahrfreude. Letztlich behielten die Eidgenossen die Oberhand, wobei sich Christoph Burckhardt gegen Urs Eberhard durchsetzen konnte. Hinter John Fyda kam Pierre Tonetti im Brabham BT6 trotz eines Ausflugs in den Kies als bester Nichtlotus auf Rang vier. Philip Buhofer (Lola Mk5) wurde Fuenfter gefolgt von Urs Mueller im Lotus 20/22 und Jens Rauschen auf Brabham BT2.

Die Wagen mit Trommelbremsen sahen in Chris Chilcott ihren Gewinner. Steve Futter (beide Lotus 20) und Anthony Goddard im Tojeiro folgten auf den naechsten Plaetzen.

Bei den aelteren Fahrzeugen mit Heckmotor gab John Delane mit seinem Lotus 18 den Ton an und verwieß Peter Knoefel (Emeryson) auf Rang zwei.

Die Frontmotorklasse fuer Fiat/Lancia- Motoren ging an Daniele Salodini. Der Taraschi-Pilot gewann vor den Stanguellini mit Jan Biekens und Guido di Egidio.

Bei den uebrigen Frontmotoren setze sich Dietrich Merkel im Lola Mk2 gegen Duncan Rabagliati (Alexis HF1) durch.

 

Praesentationen

 

Im Rahmen der Hockenheim Historic wurde neben dem vierzigjaehrigen Bestehen der Interserie auch der am folgenden Montag siebzig Jahre werdende Kurt Ahrens geehrt. Fuer ihn ging ein Corso mit zahlreichen Fahrzeugen seiner Karriere ueber den GP-Kurs.

Auch die Historische Formel V war wieder vor Ort und zeigte ein riesiges Feld der ehemaligen Nachwuchsformel mit 1300 und 1600 ccm Motoren aus den 60er und 70er Jahren.

Besonders imposant war der Auftritt von RaceHistory on Track, der die Geschichte des Formelrennsports Revue passieren ließ. Von den GP-Wagen der 30er Jahre ueber die Formel 1 von den 50ern bis ins aktuelle Jahrtausend reichte die Bandbreite der hoechsten Motorsportklasse. Die Formeln 2, 3 sowie 3000 und 5000 rundeten das Bild perfekt ab. Dem Publikum wurde so eine tolle Zeitreise geboten.

 

Text: Stefan Chytrek

Quelle: www.kurvensteher.de